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Wenn Gedanken Flügel bekommen

Gedichte und Geschichten aus der Feder von Schülerinnen und Schülern des Lucas-Cranach-Gymnasiums Wittenberg
2. verbesserte und ergänzte Auflage
Copyright © 2015 by Edition Freiberg • Dresden (Urheberrechte verbleiben bei den Autorinnen und Autoren)
Printed in Europe März 2015
Herausgeber: Förderverein LCG e.V. • Lutherstadt Wittenberg
Auswahl der Texte: Claudia Schwiefert-Damm • Bad Schmiedeberg
Umschlaggestaltung: Johanna Keller • Lutherstadt Wittenberg
Layout: Annett Warg • Dresden
Druck und Binden: booksfactory
ISBN: 978-3-943377-39-2

Der Sprache etwas zutrauen, selber sprechen lernen

Schreiben ist zuerst Selbstklärung, Selbstvergewisserung und Selbstbewusstwerden: Ich habe Euch etwas zu sagen. Bitte, hört mich, hört uns. Sehen, hören, fühlen, denken – und dann schreiben: beschreiben, bedenken, entwerfen, widersprechen, weiterführen, fabulieren. Unter die Oberfläche der Dinge sehen und sich aufschwingen, so dass Gedanken wie Federn fliegen, ganz leicht werden.

Es ist einfach wunderbar zu lesen, wie Zwölfjährige und Achtzehnjährige etwas so zu Papier bringen, dass es druckfähig und druckwürdig wird. Unsere schöne Mutter-Sprache gibt die Vielfalt des Lebens wieder.

Das Düstere und das Erhellende, das Erschreckende und das Erhebende, das Phantastische und das ganz wörtlich zu Nehmende. Überall das eigene Wort finden, Phantasie wecken, scharfsinnig denken und klar formulieren. Da findet sich Erzählerisches und Provokatives, das Indikativische und das Imperativische, das Beschreibende und das Aufrüttelnde. So geben diese jungen „Autoren“ – Mädchen und Jungen – der Angst wie der Hoffnung Sprache.

Hier wird nun nicht in Sport oder Mathe gewetteifert, sondern in unserer schönen deutschen Sprache. Und dies durchaus mit literarischem Anspruch. Die inneren Kämpfe, Widersprüche, Ängste, auch Wut – alles auszudrücken wagen. 10- und 18jährige zeigen sich selber und machen sich selber verletzbar. Und sie freuen sich über die Reaktion anderer, spüren sie doch: Ich bin nicht allein, andere würgen an denselben Fragen wie ich, werden ganz einsam, genießen das Zusammensein, auch liebendes Entflammtwerden. Andere teilen meine Befürchtungen und sie teilen meine Hoffnungen. Ich erfahre es, indem ich mich zeige.

Mich beeindruckt es, wie die Schüler in der Sprachhäppchenwelt von SMS und MfG so wunderbar verdichten und so schön erzählen können!

Ich wünsch Euch viele Leser aller Generationen und ich wünsche, dass das, was Ihr da in Eurer Schule gemacht habt, ansteckend wird für andere, für den Austausch bei der Selbstfindung. „Seit ein Gespräch wir sind und reden können miteinander“, schrieb Friedrich Hölderlin. Eure Schreibwerkstätten werden für Euer ganzes Leben wichtig bleiben.

Friedrich Schorlemmer,
November 2014