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Wir reden aneinander vorbei und wollen Sätze beenden, die wir noch nicht einmal begonnen hatten. So lange, bis wir uns verlieren, wie die Staubkörner im Wind. So lange, bis die Flut die Ebbe verschlingt. Und die unbeendeten Sätze schwirren durch unseren Kopf, weil sie auf ihre Beendung hoffen. Hoffen und Beten, dass wir sie aussprechen. 
Aber es kommen immer mehr Sätze hinzu und wir vergessen schnell, den anderen ausreden zu lassen, damit auch er einmal seine Sätze beenden kann. So lange, wie ein ständiges Lied mit Wiederholungsschleife, dessen Sprache nur geändert wird. Genauso ändern wir nur unseren Ausdruck, weil wir zu unbeholfen sind. 
Vor lauter unfertiger Sätze nicht wissen, wie wir uns ausdrücken sollen. 
Derweile reden wir aneinander vorbei und wollen Sätze beenden, die wir noch nicht einmal begonnen hatten. So lange, bis wir uns verlieren, wie die Staubkörner im Wind. So lange, bis die Flut die Ebbe verschlingt.
Und eines Tages, dann, wenn unsere Kehlen wund und rau vom ganzen Reden sind, da werden wir schweigen müssen. Aber genau an diesem Tag werden wir uns ohne Worte verstehen und merken, dass wir eigentlich jahrelang genau das Gleiche sagen wollten.

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