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Die Ballade vom Niemehrland oder die Hungersuchendurstende

Ich bin hungrig,
hungrig nach Liebe
und wenn ich dich sehe, denke ich:
Dass du mich nicht verdursten lässt!

Bis ich merke,
dass man Hunger mit Trinken nicht stillen kann
und dass ich eher drohe zu ertrinken,
als dass ich hier vertrockne.

So segle ich weiter,
du gabst mir das Meer,
das Schiff gebaut daraus,
doch nicht gut genug zu sein.

An jedem Strand
ein neues Glas, neue Geschichten tief,
doch nirgends hält man das bereit,
was mir, Hungersuchendurstende,
das gibt, was ich brauche.

Leb nun auch du wohl, Hafen,
hier an diesem Ort,
lässt mich weiter hungrig reisen,
ferner noch ins Niemehrland.

Ist´s denn zum Umkehren schon zu weit?

Der Proviant reicht nicht für alle Zeit,
doch der Wind,
weht nur voran,
wo ich hoffentlich,
bald nicht mehr hungern muss,
im Niemehrland.

Da gibt es nichts,
nur Wüste und Staub,
Staub aus Millionen, verhungerter Seelen,
reicht ihr mir euren Trank,
wenn mich die Sonne versenkt?

Traust du dir, mit die Reise,
weit hinein ins Niemehrland,
lässt du mich dort begreifen:
Dass auch Trinken Hunger stillen kann?

Oder muss ich es deiner Meinung nach lernen,
dass ich als Hungersuchendurstende
vom Trinken auch gelebt hab?

Dann nimm du mir mein Meer jetzt fort,
lass mich das Niemehrland auf hoher See erleben,
dass ich als Sonnennahrung
mir dein kühlendes Wasser wünsch`!

Und mich am Verdursten verhungere,
denn das ist möglich – im Niemehrland.

Maibal