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Gewöhnlich schwach

Ich gebe mich nicht ab,
ich grenze mich nicht aus.
Ich verliere hier und da,
aber gebe doch nicht auf.
Ich mach‘ nur gelegentlich ’ne Pause.
‚Ne Pause vom Verlieren,
in der Hoffnung, dass ich irgendwann in irgendwas mal siege.
Dass ich irgendwann mal anders bin
und nicht mehr so gewöhnlich.
Dass ich irgendwann neutral bin
und nicht mehr so persönlich.
Und dass ich irgendwann
ohne nachzudenken denken kann,
dass die Welt doch eigentlich ganz schön ist.
Wäre da nicht das Gefühl, gewöhnlich zu sein.
Nicht die Schönste oder Klügste zu sein.
Nichts Besonderes, sondern nur Durchschnitt.
Ohne Style und modischen Haarschnitt,
ohne coole Musik und passende Farben,
ohne richtige Worte, aber der Angst zu versagen.
Ich hab‘ nicht die große Liebe und bin sie auch nicht,
doch hätt‘ ich die Chance, dann bräucht‘ ich nur dich.
Hab nicht wirklich viel Glamour und nicht wirklich viel Geld
und bin wahrscheinlich auch nur ein sehr kleiner Teil der Welt.
Und ich habe sehr viel Angst,
weil ich nicht weiß, wohin.
Und am meisten hab‘ ich Angst vor dem, was ich bin.

Denn ich bin schwach.

Ich bin schwach und fall‘ oft um.
Meine Beine können mich nicht tragen.
Mein Mund, der bleibt oft stumm.
Meine Arme brechen weg.
Meine Füße stehen im Weg.
Mein Herz hat sich versteckt
und mein Verstand nicht überlebt.

Vieles ist nicht so, wie es scheint.
Meine Haut ist nicht so hell,
Meine Größe nicht so klein.
Mein Spiegelbild ist nicht gleich,
Mein Kopf ist nicht so rund,
Wolke 7 nicht wirklich weich
und grau, schon gar nicht bunt.
Mein Lächeln ist nicht echt.
Mein Funkeln nur zum Schein.
Mein Ich ist viel zu schlecht,
um für dich immer da zu sein.
Und das tut mir selber weh.
Und das frisst mich selber auf,
doch bevor du das verstehst, nimmst du schon längst reißaus.

Und dadurch werd‘ ich schwächer.
Und fall‘ noch öfter um.

Meine Beine können mich nicht tragen,
Mein Mund, der bleibt oft stumm.
Meine Arme brechen weg.
Meine Füße stehen im Weg.
Mein Herz hat sich versteckt
und mein Verstand nicht überlebt.

Ich bin oft wie alle anderen,
nur ’n Ticken schlechter.
Und seitdem du nicht mehr da bist,
ist alles noch komplexer.
Zahlen sind gewaltiger,
Regentropfen schwerer,
Gesichter noch viel trauriger
und mein Leben so viel leerer.
Und ich bin ganz allein.
Bin blass und kraftlos,
klein und machtlos.
Bin nur ein sehr kleiner Teil der Welt,
bin jemand, der von Wolke 7 fällt.
Mein Kopf hat viele Ecken und ist ganz und gar nicht rund,
mein Spiegelbild nicht gleich und grau statt kunterbunt.
Ich bin ganz allein.
Und du bist nicht mehr da.
Und so will ich gar nicht sein,
doch mir wird wieder klar:

Ich bin verdammt noch mal schwach.

Ich bin schwach und fall‘ oft um.
Meine Beine können mich nicht tragen,
Mein Mund, der bleibt oft stumm.
Meine Arme brechen weg.
Meine Füße stehen im Weg.
Mein Herz hat sich versteckt
und mein Verstand nicht überlebt.

Emiliy Kòsa, 2015