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Wie fühlt es sich an?


Wie fühlt es sich an, auf dich selbst gestellt zu sein?
Ohne Heimat, unerkannt, unbekannt,
wie ein rollender Stein.

Du kamst, sahst, gingst. Aber hast du gesiegt?
Warst unsere „Mutter-Erde“, doch selbst nicht fähig Wurzeln zu schlagen.
Hast so oft gesagt, in uns hast du ein Zuhause gefunden,
doch jetzt drehst du wieder deine Runden, bist verschwunden.
Ohne uns. Ohne mich!

Schon immer ein Freigeist, der weit reist.
Barfuß vom Club nach Hause, stundenlang auf dem Dach, rauchst ohne Pause.
Malst dir Blumen mit Henna-Farbe ins Gesicht,
immer mit zerrissenen Jeans unterwegs, doch San Francisco interessiert dich nicht – würde es nie.
Du machst deine eigenen Weltreisen. 
Durch Wiesen, Wälder, Felder, an Seen entlang und Flüssen und Träumen und Luftschlössern.
Kein Geld dabei, nur gute Musik und geklauter Wein – früh um drei.
Und Hoffnung.

Und jetzt sag mir, wie fühlt es sich an?
Auf dich selbst gestellt, unerkannt und unbekannt durch die Welt?
Wie du von einem Leben ins nächste hetzt,
weil ein rollender Stein kein Moos ansetzt.

Dein Leben ist ein Roadmovie.
Spannend und schnell,
lebhaft und eventuell speziell,
dramatisch nur tendenziell,
aber generell ziemlich individuell.
Und ich will, dass du weißt, dass du all das für mich bist.
Und ich kann nur hoffen, dass du mich noch immer vermisst. 
Hoffen, dass du mich nicht vergisst.

Anika Würz, 2016