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Doppelmoral

Äußerlich betrachtet, sorgen wir uns endlich um unsere Erde. Äußerlich betrachtet.
Aber Umweltschutz als Trend, kann das gut gehen?
Wenn Minister mit gigantischen Karossen zum Klimagipfel fahren, kann ich gar nicht hinsehen.
Und wenn nicht mal der Spitzenkandidat der US-amerikanischen Präsidentschaftswahl an den Klimawandel glaubt,
dann frage ich mich: in was für einer Welt lebe ich überhaupt?
Wenn TTIP und CETA dafür sorgen, dass Rauch und Teer den Handelsweg von Ozean-Kolossen zieren,
nur weil wir in Europa nach günstiger Milch und die in Kanada nach Gammelfleisch gieren,
Dann wundert es mich, dass niemand die Ironie daran versteht.
Denn die Wirtschaft kann nur so lang rund laufen, wie unsere Erde sich auch dreht.

Äußerlich betrachtet, ernähren wir uns bewusst. Äußerlich betrachtet.
Aber auch wenn wir noch so viele Chiasamen in unseren gut&günstig-Joghurt mischen,
und nur noch Gluten-freie, Spirella-Protein-Shakes auftischen,
ändert das nichts daran, dass Landwirte am Existenzminimum leben,
weil wir unser Geld lieber für Plastikschuhe und Bangladesch-Produkte, als für Lebensmittel ausgeben.
Aber, was hat uns die Landwirtschaft überhaupt zu interessieren,
gehen wir doch sowieso alle studieren.
Wir sind Wirtschaftsingenieure und Lebensmittelchemiker, studieren International Business-Management und werden eh alle Akademiker. Oder zumindest Singles mit Niveau.
Doch sind wir noch so kultiviert, intelligent und gelehrt,
haben wir weder eine Bleibe, noch sind wir ernährt.

Äußerlich betrachtet, sind wir ziemlich tolerant. Äußerlich betrachtet.
Wir fördern “Gender-Equality” und müssen Frauen-Quoten erfüllen,
es gibt Sportmannschaften für Rollstuhlfahrer und jeder der möchte, darf sich bei uns verhüllen.
Unsere Welt ist nicht mehr schwarz-weiß, sondern bunt,
denn wir sind offen für “Maximalpigmentierte mit Migrationshintergrund”
Ja, wir verändern extra unseren Wortlaut, nur um niemanden zu benachteiligen – wir wollen Gleichheit.
Aus Mohrenköpfen werden Dickmanns und bis zum “Studierenden-Futter” ist der Weg auch nicht mehr weit.
Aber was bringt uns das?
Denn, all die Rassisten (und natürlich Rassistinnen) hören trotzdem nicht auf ihre Inhalte weiterzuleiten,
ihre Parolen mit Verbündeten zu teilen, Bilder zu liken, Hass im Internet zu verbreiten.
Plattformen gibt es dafür heutzutage zur Genüge und es macht den Anschein:
das muss wohl die “Digitalisierung des Abendlandes” sein.

Anika Würz, 2017